MENU
Blätter-Icon als Dekorationselement

Wie man einen Brautstrauß auswählt.

5. Oktober 2017

Gedanken zur Brautstraußwahl

Es soll rote Rosen regnen. Oder gelbe Narzissen. Oder Orchideen. Auf jeden Fall jede Menge Blumen. Als ich Anfang April vorhatte mich näher mit dem Thema „Hochzeitsblumen“ beziehungsweise Hochzeitsfloristik und Brautsträuße zu beschäftigen, bin ich erstmal von der Masse an Möglichkeiten erschlagen worden, wie das Brautpaar von heute seine Hochzeit dekorieren kann und vor allem, was mittlerweile alles als Brautstrauß genommen werden kann.

Locker gebundener Brautstrauß
Locker gebundener Brautstrauß

Wer sich gerne auf den Webseiten amerikanischer Hochzeitsfotografen umschaut, der erkennt bei Brautsträußen wahrscheinlich schnell einen Trend: Ausuferende und locker gebundene Brautsträuße, die meistens opulent sind und zusätzlich die Jahreszeiten widerspiegeln. Ein Meer an Möglichkeiten sieht man dort, von verspielt-verträumten Hochzeitssträußen mit kleinen Rosen in pastelllila und passendem Blumenkranz bis hin zu alternativ-modernen Sträußen mit Trockenblumen und Zweigen passend zu Jahreszeit.

Weißer Brautstrauß mit Rosen und Callas im Standesamt Sickte
Weißer Brautstrauß mit Rosen und Callas

Als Hochzeitsfotografin kommt mir meistens besonders häufig eine Art des Hochzeitsstraußes vor die Linse: Der Biedermeierstrauß. Der im übrigen noch diverse weitere Namen hat, aber im wesentlichen ein nicht-locker gebundener Hochzeitsstrauß ist, dessen Blüten kugelförmig angeordnet sind. Aber was sind eigentlich so Punkte, die bei der Entscheidung für einen speziellen Brautstrauß mit reinspielen? Beim Vorgespräch mit meiner Lieblingsfloristin Blickfang in Weddel für meine beiden Portfolio-Blumensträuße war ich dann doch überrascht, was es alles zu beachten gibt. Und nicht für jede Braut sind die Punkte gleich wichtig, aber hier ein paar kleine Informationen.

1. Welche Form darf es denn bitte sein?

Die erste Frage, die ich mir gestellt habe. Immerhin ging es mir ja um ein Portfolio-Shooting und da sollte alles stimmen. Ich wollte einen klassischen Brautstrauß und außerdem unbedingt einen Wasserfall-Brautstrauß. Und so begann meine Suche bei Google nach Brautstrauß-Arten. Klar, es gibt den Klassiker Biedermeierstrauß, aber auch sowas wie den englischen Tropfen (hin und wieder auch Synonym mit dem Modell „Wasserfall“ gleichgesetzt), den Armstrauß bzw. Stabstrauß (wie gesagt, die Bezeichnungen gehen von bis) und auch immer häufiger locker gebundene Sträuße, die eher an einen klassischen Bauernstrauß erinnern. Oder wie ich auf einer Seite lesen konnte: Wie frisch vom Feld gepflückt. Das beschreibt’s am Besten.

Wasserfall-Brautstrauß mit Frühlingsblumen
Wasserfall-Brautstrauß mit Frühlingsblumen

Aber wenn man keine Straußformpräferenz hat, wie findet man seine zu einem passende Brautstraußform? Einige Seiten empfehlen bestimmte Straußarten, z.B. einen Stabstrauß bei super schlichten Kleidern oder einen Bauernstrauß-anmutenden, lockeren Strauß bei sowas wie Vintagekleidern zu wählen. Also vom Kleid auszugehen ist eine gute Sache. Aber mein heißester Tipp: Nehmt ein Bild vom Kleid, geht zum Floristen eures Vertrauens und sprecht mit ihm/ihr. Denn Floristen sind eine wahre Fundgrube an Wissen, wenn es um Sträuße geht. Klaro, sie beschäftigen sich ja damit Tag ein Tag aus, aber vor allem haben sie meistens schon ein gutes Gefühl, was zusammenpasst. Stimmt dann die Form, gibt es noch eine weitere Sache, bei der es Gold wert ist eine Floristenmeinung einzuholen, denn wusstet ihr, dass bei der Form auch die Größe eine Rolle des Brautstraußes eine Rolle spielt? Mein Model ist kein Riese und sehr zierlich. Ich dachte mir so, naja, ich hätte halt gerne einen großen runden Biedermeierstrauß mit mind. 30cm Durchmesser. Die Floristin hat mich dann gottseidank darauf hingewiesen, dass ich nicht möchte, dass mein Modell komplett hinter dem Strauß verschwindet und eher 20cm im Durchmesser empfohlen. Erst war ich skeptisch, aber ich muss sagen: Hört auf die Floristin. Sie weiß, wie der Hase läuft.

Wunderschöner Brautstrauß in lila und weiss mit Calaas, Rosen und Zierlauch
Wunderschöner Brautstrauß in lila und weiss

Oder kurz zusammengefasst: Auf jeden Fall Fotos vom Kleid – oder zumindestens Kleid-Stil – mit zum Floristen nehmen und den fragen. Und im Zweifelsfall auch mit mehreren Floristen sprechen, denn sie unterscheiden sich alle in ihrem Stil und man hört schon Allerlei interessantes und wichtiges.

2. Darf’s noch ein bisschen knalliger sein?

Oder auch: Mut zur Farbe? Während noch vor einigen Jahren Hochzeitssträuße, Bouquets und die Tischdekorationen in dezenten Farben gehalten worden sind, ist heute fast alles möglich. Sowohl an Farben als auch wenn es um die Blumenarten geht, aber dazu nachher mehr. Steht die Hochzeit farblich unter dem Motto „Pastellviolett“ ergibt sich eher weniger die Frage, welche Farbe für den Hochzeitsstrauß gewählt wird.

Weisser Brautstrauß
Weisser Brautstrauß

Der Klassiker sind weiße Blumen, entweder mit silbrigen Blättern oder mit frischem Grün, aber dieses Jahr hat mich bei einer standesamtlichen Hochzeit die Braut weggehauen, weil sie in einem leuchtend roten Kleid geheiratet hat und dazu einen Brautstrauß hatte, dessen grün und weiß in einem unglaublich schönen Farbkontrast (okay, technisch ist weiß kein Farbkontrast, ich weiß 😉 zum Kleid standen. Die Farben haben alle geleuchtet und es sah einfach traumhaft aus. Für das Portfolio-Shooting hatte das Model einen Strauß in knalligem Magenta.

Magentafarbener Strauß
Magentafarbener Strauß

Wichtig bei der Auswahl: Der Strauß sollte zur Persönlichkeit passen. Wer Magenta liebt, nimmt Magenta und wer Orange mag, nimmt Orange und ansonsten: Es muss nicht die Farbe überwiegen. Auch weiße Sträuße mit soften Farbakzenten in lavendel oder rosé können auch unglaublich reizvoll aussehen.

3. Aber welche Blume…

Da kommt in mir gerade ein wenig der Gollum durch. Für die Nicht-Herr-der-Ringe-Fans: Das ist der zwiegespaltene Hobbit mit den zwei Persönlichkeiten. Auf der einen Seite bin ich als Blumenliebhaberin unglaublich froh, dass es Gewächshäuser gibt. Denn sie ermöglichen es der Brautstraußkäuferin tendenziell zu jedem Zeitpunkt jede x-beliebige Blume zur Auswahl zu haben. Auf der anderen Seite: Gewächshäuser sind nicht sehr ökologisch und es gibt immer wieder schöne saisonale Blumen. Oder zumindestens Trockenblumen. Aber zurück zur Auswahl. Wie kann man am besten die Blumen für den Brautstrauß wählen?

Brautstrauß in Rosé
Brautstrauß in Rosé

Wer schon gerne im Deutschunterricht Gedichte interpretiert hat, ist wahrscheinlich gut beraten, sich die Bedeutung der unterschiedlichen Blumen nochmal vor Augen zu führen. Gelbe Rosen (der Klassiker zum Abschied im Sinne von „Auf Nimmerwiedersehen“) sind damit also raus. Ansonsten sind natürlich Rosen DAS Blumensymbol für Liebe und Leidenschaft. Alternativ kann man natürlich auch nach der Optik vorgehen und wählen was gefällt. Wäre in meinem Fall ein Strauß voller Ranunkeln. Oder man wendet sich wiedermal vertrauensvoll an den Floristen und wählt die Blumen aus, die gerade saisonal vorhanden sind.

4. Der Preis ist heiß

Brautstrauß in weiss-silbern
Brautstrauß in weiss-silbern

Die große Frage in den Hochzeitsforen ist ja häufig: Wie teuer ist eigentlich so ein Blumenstrauß? Wie immer bei Hochzeiten: Der Preis geht von mind. 30€ bis hin zu sehr viel mehr und weinendes Auge. Wer also sein Budget etwas im Auge behalten will, der sollte darauf achten, welche und wieviele Blumen er im Strauß haben möchte und vor allem, welche Form gewählt wird. Logisch ist, dass ein Stabstrauß mit sechs Callas sicherlich günstiger ist, als ein ausgefallener Wasserfallstrauß. Je komplizierter die Form des Brautstraußes, desto mehr Zeit verbringt der Florist damit und entsprechend teurer wird der Strauß. Ein Wasserfallstrauß ist dabei ein gutes Beispiel, weil dieser aufwendige Strauß auch mal bis zu sechs Stunden Arbeit erfordert.

Ein weiteres Thema ist die Wahl der Blumen. Grundsätzlich gilt natürlich: Je exotischer die Pflanze – und Amaryllis und Strelitzien sind ja immer mehr im kommen – desto teurer der Einkaufspreis der Blume. Dazu kommt aber noch, welche Blumensaison gerade ist. Wer in der Blumen-Wintersaison gerne Sommerblumen im Strauß hätte, kann diese sicherlich auch bekommen. Sie müssen halt nur teurer im Gewächshaus gezüchtet werden und das spiegelt sich dann auch im Brautstrauß wieder. Auch hier hilft ein Besuch im Blumenladen weiter.

5. Und sonst so?

Da die Bezeichnungen der verschiedenen Brautstraußarten etwas uneinheitlich ist, nehmt auf jeden Fall Beispielbilder mit zum Floristen. Erstellt ein Moodboard bei Pinterest oder sammelt wie verrückt Instagram-Bilder, aber habt Bilder dabei. Das war für mich die größte Erkenntnis beim Brautstraußkauf. Und fragt auch nach, wie lange sich so ein Brautstrauß hält. Bei der Wahl der Blumenarten war mir z.B. gar nicht bewusst, dass doch noch einige Blumen wie z.B. Tulpen weiterwachsen. Selbst wenn sie schon geschnitten wurden. So gab es für mich keine Anemonen im Biedermeierstrauß. Verdammt. Dafür hätten sich die Anemonen lange gehalten 😉

Anderer Fall beim Wasserfallstrauß. Durch den Aufbau bedingt, sind nicht alle Blumenstiele im Wasser. Das Ende vom Lied: Einige Blumen lassen nach 8 Stunden schon bedauerlich den Kopf hängen. Da kann der Florist dann auch nicht viel machen. Und denkt auch über Alternativen im Brautstrauß nach. Wie z.B. Haselnusszweige oder Farn, denn manchmal denkt man gar nicht so unkonventionell wie es möglich wäre: Der beeindruckenste Brautstrauß im letzten Jahr war für mich z.B. ein Brautstrauß mit einer riesigen, getrockneten Artischocke in der Mitte. Ungewöhnlich, aber toll arrangiert.

Und falls ihr euch noch weitere Brautsträuße anschauen wollt, schaut einfach hier in der Galerie.

 

CLOSE